Jazzprobe: Im Quintett hat das Proben andere Qualitäten – und Vielfalt statt Einfalt

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In der Jazzmusik-Probe im Quintett hat das Üben andere Prioritäten, als -wie unlängst berichtet- im Trio. Dabei sind Sängerin, Saxophonist, Pianist, Kontrabassist und Schlagzeuger. Die Probe beginnt gleich mit einem Kontrollhören einer Bearbeitung von ‚A night in Tunesia‘ (Dizzy Gillespie), die der Jazzposaunist Peter Herbolzheimer aufgesetzt hat. Der Groove ist eher ein Jazzrock-Groove im middle-Tempo. Spass machen insbesondere die I-Tüpfelchen der eingesetzten Bläser. Sie kommt punktiert, also vor einer gedachten Eins. Das hier gezeigte Video zeigt die Sängerin Chaka Khan mit den Jungs von Peter Herbolzheimer in andere widerum gänzlich anders ausnotierten Version des Jazzklassikers. Aber so ähnlich kann man sich das vorstellen, es sozusagen bigbandmässig aufzubauen. Nur hat ein Quintett eben kein „grosses Besteck“ aufzufahren, es sind vier Instrumente. Also muss die Big-Band-Idee wieder abgespeckt werden. Aber der Weg zählt. Das Stück in diese Richtung zu „vergrooven“, das macht Sinn.

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Eine Woche zuvor setzten bereits Bearbeitungsversuche des Songs „Mas que nada“ ein, und es gab eine gewisse Sympathie für Modulationsformen, wie Al Jearreau sie 1994 mit diesem Stück angestellt hatte. Hier fällt der groove auf eine äusserst ähnliche Art und Weise an, man kann beide Stücke daher sogar gefühlt vergleichen.

Es folgen noch weitere Stücke in grosser Anzahl. Wir lernen, was ein Interlude bedeutet und ein Forceteil. Zu Force müssen wir noch weiter recherchieren.

Schliesslich gibt es ein portugiesisches Lied, dessen Namen sich der Schlagzeuger nicht merken kann. Das macht auch nichts, denn es gibt wenig zu tun. Abgesehen von ein paar atmosphärischen Geräuschen auf den verschiedenen Becken kann der Schlagzeuger sich da wenig Arbeit abholen. Also nimmt er es auf, als Chronist mit einem Mobiltelefon. Um es sich zu merken. Das Stück ist allerdings schön und hat eine schwebende Form. Die Gedanken sind in „rot eingetaucht“, es tauchen Erinnerungen auf an rote, lange Abendkleider oder weisse, die in komplett rotes Bühnenlicht getaucht sind. Ein Multimedia-Projektor könnte hier „rote Rosen“ aufs Kleid der Sängerin projizieren, um das ganze atmosphärisch in die richtige Stimmung hinein zu versetzen.

Alle eingeübten Musikstücke kommen kaum über eine erträgliche Zimmerlautstärke in einem bewohnten Tempelhofer Mehrfamilienhaus hinaus, und das ist das Schöne. Der Schlagzeuger notiert für sich, dass in der eher sachte gespielten rhythmischen Umsetzung Dinge besser grooven als in der lauten, hammerharten Umsetzung.

Stilistisch alles dabei: vom soften, leisen Bossa Nova über Swing (schwing) und pure Jazzfunkrock-Rhythmen, sagen wir eine gewisse Bandbreite.

Gute Probe, Zufriedenheit beim Schlagzeuger.