151/10: HowTo: …become 2 and a half men under one head! Rhythmus-Sektion einer Band #Reggae

HowTo: ...become 2 ½ Men under one head? The Rhythm Section...

Kernthema: Wie bekommt man 2 ½ Mann unter einen Hut?

Das hier hörbare Stück Audioschnitzel ist aus unserem Proberaum und wurde im Juni 2010 bearbeitet. Es handelt sich um ein Stück Reggae, dass allen bekannten Klischees, wie Reggae sich anhören muss, möglichst gerecht wird. Irgendwie ist es auch lustig anzuhören. Findet jedenfalls der Autor dieses Beitrags. Wir hatten das Stück schon einmal vor kurzem versuchsweise angespielt und es nun erneut aufgegriffen, um es als Reggae-Version einer bereits niedergelegten, anderen Fassung für uns aufzubereiten.


Beautiful girl – First takes – Reggae Version (via divshare.com)

Eine Sache, die mir persönlich auf der Seele brennt: Wie bekommt man 2 ½ Männer (ersatzweise Frauen, Geschlechtermix, egal)  rhythmisch unter „einen Hut“? Gemeint sind Bass, Schlagzeug und Percussion. In diesem Fall drei Männer. Der Reggae, der hier zu hören ist, steht eigentlich nur als Stellvertreter für jeden anderen Stilmix, den zu spielen man in dieser Konstellation beabsichtigt.

Warum 2 ½ Men? Wer von denen ist der ½ Man? Für mich persönlich ist es der Percussionist.

Ich finde, dass der Percussionist Kai in dem Hörbeispiel eine extrem gute Percussionarbeit leistet und dass wir an diesem Abend offenbar den Reggae relativ gut skizziert haben. Für mich persönlich groovt das auch schon ganz gut. Es ist in diesem Stück nichts zu viel. Die übliche Laienhaftigkeit von Bandmusikern, immer an der oberen Grenze des eigenen Könnens zu spielen, ist hier nicht zu finden. Gerade im Reggae fällt es einem immer sehr angenehm auf, wenn sich die Einzelmusiker zurückhalten und wenn sie die kleinen Pausen zwischen den Schlägen gut beherrschen. Das macht Reggae aus.

Wenn ich den Percussionisten als „half man“ bezeichne und die anderen als „Vollwertige“, so ist das nicht damit gemeint. Der Percussionist macht, wenn er erstklassig spielt und seine Rolle richtig angeht, einen unverzichtbaren, hochwertigen Job. Er ist ein Endproduktveredler.

Die Reihenfolge der Einarbeitung eines Stücks mit 2 ½ Men, also Bass, Schlagzeug und Percussion ist generell die, dass Schlagzeug und Bass etwas einüben, dass schon für sich genommen passt. Erst wenn dieser Zustand erreicht ist, tritt der Percussionist hinzu, additiv. Es gibt nur eine Ausnahme hiervon: Wenn für ein Stück verabredet ist, dass der Percussionist die Federführung übernimmt. Dann tritt das Schlagzeug komplett in den Hintergrund und fügt sich nun seinerseits, und wenn überhaupt, additiv zum Percussionspiel hinzu. Jede andere konventionelle Zusammenarbeit ist aber in der Mehrzahl anders herum.

Das Stück muss für sich genommen schon gut klingen und kann sogar auf den Percussionisten verzichten. Dann ist es gut. Wenn es dann „gut genug“ ist, sollte es durch den Einsatz des Percussionisten nicht wieder abfallen. Nun tritt der Percussionist „auch noch“ hinzu und was er spielt, verbessert das Ursprungsprodukt noch zusätzlich. Ich muss einmal darüber nachdenken, ob mir Stücke einfallen, wo die Percussionisten unverzichtbar sind? Wenn mir welche einfallen, werde ich mich damit später befassen.

Schlagzeuger und Percussionist müssen viel miteinander reden, der Percussionist muss den Groove des Schlagzeugers erfassen, verstehen und in seine einzelnen Bestandteile auseindernehmen können. Er muss die Wirkungsweise von Bassdrum, Hihat, Snare, Becken und Toms zu deuten wissen. Überhaupt keinen Sinn macht es, wenn der Percussionist sich zuhause Musik angehört hat und nun in den Proberaum kommt, um ab der ersten Eins eines Spielversuchs dieses Stücks mitpräkelt, klopft, zischt und battelt. Erst einmal müssen die anderen Musiker der Grundbesetzung in Schwung gekommen sein, es muss schon eine gewisse Spielsicherheit da sein.

Menschlich gesehen muss im Bandzusammenhang von einem Percussionisten ein gesundes Selbstvertrauen gefordert werden und Mut zur Lücke. Indem man einem Percussionisten sagt: „Sei doch mal still“, will man ihn nicht beleidigen, sondern zur reinsten Urform eines musikalischen Ausgangsgedankens zurückkehren. Überhaupt gilt der Satz „Sei doch mal still“ im Proberaum-Zusammenhang viel zu häufig als Versuch einer Beleidigung oder Zurechtstutzung. „Sei doch mal still“ bedeutet eigentlich eher, dass der Pause zwischen zwei oder mehreren Tönen Gehör verschafft werden soll. Musik besteht gerade nicht (nur) aus gespielten Tönen, sondern Musik hat gleichberechtigt auch Pausen zwischen den Tönen, und sofern diese verabredet stattfinden, nennt man sie breaks oder Pausen, Stopps:  auf solche folgen ausnotierbare Noten-Zeitwerte, Viertel, Achtel, usw… Die nicht gespielten Töne sind auf weißem Notenpapier in Weiß notiert und nur die gespielten Töne notiert man der Einfachheit halber schwarz.

In jeder Bandzusammensetzung kommt es gerade in genau so maßgeblicher Priorität darauf an, nicht ständig immer nur zu spielen, zu zupfen, zu slappen, zu walken. Was den Einsatz eines Percussionisten angeht, so kommt es sehr entscheidend darauf an, dass er „hört“, er muss „zuhören“, sich in die Basis einfühlen und sich in sie einfügen, die Grooveidee nicht zum Stolpern bringen oder durch rhythmisch herausfallende Stopps und Abschläge „zertöppern“. Das zu klären, erfordert offenes miteinander Besprechen, Korrekturen zuzulassen und sich „zu bescheiden“. Der Reggae da oben, und es ist einer der ersten Versuche damit, also ein neues Stück, ist eine gute Zusammenarbeit.

Es gibt aber in einer anfänglichen Zusammenarbeit auch viele Negativbeispiele, wo die Zusammenarbeit nicht so gut klappt. Einen Beweis für meine Theorie von 2 ½ Men als Rhythm Section einer Band habe ich jetzt auf die Schnelle noch nicht gefunden. Ich stelle die Theorie hier ins Netz und hoffe insgeheim, dass mir Zuschriften und Kommentare dazu zugehen, die das Bild entweder bestätigen oder das Gegenteil schlüssig nachweisen. Ich warte einfach mal ab….