189/10: Interview: xdrum.eu im Gespräch mit Ralf „Pommes“ Pommerenke, Schlagzeugbetreuer & Coach

 

Im Gespräch mit Ralf „Pommes“ Pommerenke, ursprünglich aus Kiel, jetzt seit 19 Jahren Berliner „zugezogen wegen der Liebe“, Jahrgang 1966, Familienvater, Mensch, Schlagzeuger und Schlagzeugbetreuer!

Ein hohes Maß an Zuverlässigkeit, gute Erreichbarkeit, das „dranbleiben“ am Projekt und das immer wieder persönlich in Kontakt zu geraten, dürften auszugsweise Parameter sein, die ein Schlagzeugbetreuer & Coach haben muss, um erfolgreich zu sein. Wobei nicht zu verwechseln ist: Der Coach coacht in diesem Fall nicht den Schlagzeuger, um ihm beispielsweise beizubringen, wie man eine Paradiddle-Kombination erfolgreich aus dem Handsatz verabschiedet. In diesem Fall coacht der Schlagzeugbetreuer das Schlagzeug selbst, auf dass es  seinem Herrn, dem Herrn (oder der Frau) Schlagzeuger(In) gefällt. Keine Sorgen haben, dass alles flutscht. Und wenn etwas quietscht, es auch gewollt ist und nicht versehentlich.

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Ergonomie, Bespielbarkeit und -last but not least- ein „netter Sound“, die Anmutung eines Kesselklangs, der ein Wohlbrummen auslöst, beim Schlagzeuger selbst, bei seinen Mitmusikern und im Studio und auf der Bühne auch den Fans, dem Publikum und den Fachleuten, wie Audio-Ingenieuren, Mixern, Kameraleuten pi pa po….Apropos Po: Das Beste, was Pobacken tun können, ist sitzen. Auf einem Drumhocker, ähnlich einem Melkschemel und in puncto Bespielbarkeit zapft der Drummer dann sein, seine „eierlegende Wollmilchsau“ an. Dies alles gewährleistet die Zusammenarbeit mit Ralf „Pommes“ Pommerenke, dem Berlin-Kladower Schlagzeugbetreuer, CoachTechniker, er ist eine Art spiritus rector eines äußerst erfolgreichen Familienunternehmens, allerdings ist das Schlagwerkverständnis als solches eine persönliche „two man show“, Pommes und Valentino arbeiten sozusagen als „two and a half men“.

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Samstag, der 02.04.2011, so ganz vertraut heute niemand der internationalen Nachrichtenlage. Zu viel „Scherzpotenzial“, so unmittelbar nach dem 01.04., darum erscheint das ganze Interview mit Ralf „Pommes“ Pommerenke vorsichtshalber erst heute. Die Anreise zu Pommerenke führt über die Heerstr. vorbei an rieselnden Feldern, deren nachträgliche Bebauung noch gar nicht mal so alt ist. Erst kürzlich entstanden dort Einfamilienhaus-Glücks (sprich „Glucks“ – amerikanische Aussprache!).

Am Ritterfelddamm 109 ist die Wiege einer vermutlich besseren Zukunft für Schlagzeuger orange gestrichen, guckst Du?  Hier lebt, wohnt und arbeitet Ralf „Pommes“ Pommerenke an der „zartesten Versuchung“, seit es Trommelbau gibt. Tierfelle würde er nicht verarbeiten, sagt er. Hunde, Katzen und sogar Hühner laufen auf dem Grundstück herum. Auch Plastik-Schlagzeuger, wie jüngst die Reissues (Wiederauflagen) berühmter Ludwig-Vistalite-Schlagzeuger sind seine Sache nicht. Aber ansonsten ist nichts unmöglich.

„Sieben Fässer Wein können dir nicht gefährlich sein, das wär doch gelacht, wer steht gerne auf einem Bein?“ Und dass Trommelbau gern als „Fassbauweise“ daherkommt, so unkt der Schlagerunkundige, könnte nun daher andererseits ein Indiz dafür sein, dass wer ein Schlagzeug dieser Art möchte, erst einmal zum Seicht-Alkoholiker werden müsse? Nicht in Konstanz wohnt, aber in Konstanz gesoffen hat: bis die Fässer alle waren. Mitnichten: man sagt zwar „in vino veritas“, in Wirklichkeit aber ist in der Fassbauweise Wahrheit erst richtig drin, wenn die Fässer eine Weile leer herumgelegen haben, ganz Trockendock und spirituelle Versuchung. Ein Schlagzeug aus sieben alten Weinfässern, das wär doch was, oder?

Schlagzeugbau ist die eine Baustelle seines Lebens. In einer Vielzahl von Fällen hat Ralf „Pommes“ Pommerenke Schlagzeuger glücklich gemacht, ist auf ihre Vorstellungen im Detail eingegangen. Der drumtechnische Tausendsassa hat kaum hektischen Aktionismus zu versprühen: seine Stärke ist die Geduld großzügigen Zuhörens, was der Kunde spricht. Den Gesprächsstoff legt man dann gemeinsam auf einen drumtechnischen Seziertisch und breitet alle Anforderungen, Details und Erkenntnisgewinne vor sich aus. Und dann knetet Ralf „Pommes“ Pommerenke aus Gesprächsstoff konkrete Vorhaben: eine neue Bassdrum, ein neues Outfit für das alte Drumset oder eine ganz, ganz neue Snare, natur, mit Folie oder anderswie „oberflächenveredelt“. Dass seinem Kunden am Ende einer abgeht. Oder mehrere.

Im August 2008 fasst der Benutzer „MoltenCrown -5“ eine Erfahrungen hier wie folgt zusammen:

Ich kann die Schlagzeugbetreuung Pommerenke nur weiterempfehlen: der „Pommes“ gibt sich viel Mühe, genau herauszufiltern, was der Kunde möchte, um ihn auch wirklich zufriedenzustellen. Zudem ist er ein wirklich netter und umgänglicher Mensch. Ich hatte in den 4-5 Wochen sehr viele E-Mail-Kontakte und wurde detailliert über die „Bauarbeiten“ informiert. Den Begriff „Schlagzeugbetruung“ sollte man in diesem Fall wirklich wörtlich nehmen, denn sie beinhaltet eine jährlich Inspektion und eine lebenslage Garantie. Was will man mehr?

Nun, oft geht es um Geld, das bei einer großen Zahl von Schlagzeugern knapp bemessen ist. Ein anderer Nutzer meckert im Forum herum und findet 16,- € für eine Kesselgratung zu viel, man überlegt über mehrere Postings, ob das okay ist oder nicht? Hallo? Geht´s noch? Für jedes Videospiel geben Knallköpfe mehr aus, als sie bereit sind, für eine gute, neue Kesselgratung auszugeben. Ralf „Pommes“ Pommerenke wünscht sich unserem Gespräch auch, in Kontakt zu bleiben. Mag sein, dass allerorten „menschliche Nullnummern“ herumfleuchen, die billigstes Besteck erwerben, es ist eine Frage, welcher Tellerrand der deine ist? Ob du es gewöhnt bist, aus tiefen Tellern zu essen oder ob du dein Leben sowieso seit jeher eher als eine Art „flatliner“ verbracht hast, flache Teller, flacher Horizont, allenfalls ein bisschen Suppenwürze rein, aber richtig guten Geschmack kann Suppenwürze nur verstärken, niemals ersetzen.

Wer sich das zweite Schlagzeug seines Lebens anschafft, der ist gut beraten, ein bisschen mehr zu sparen und dann eins zu erwerben, das richtig gut ist. Am Anfang ist es okay, ein Billigschlagzeug zu verprügeln. Es ist die Orientierungsphase, das Grundmodul eines schlagzeugerischen Lebens. Wer sich alsbald ein zweites erwirbt, um das Schlagzeugspiel ernster zu nehmen, der hat sich orientiert: Pro Schlagzeug, pro percussion, pro trommeln! Trommeln für den Weltfrieden, gegen die zu große Ruhe in Nachbars Garten oder Schläge verteilen zum Aggressionsabbau, dann gibt´s was auf die Felle, in der Hoffnung, sie schwimmen einem nicht davon.

Wir richtiggehenden Schlagzeuger haben alle nen Sprung in der Schüssel: anders lässt sich das Amt kaum ertragen. Denn wir durchdringen die Stille mit Wumms, scharbeutz, klatsch: Jan-Peter Eckelmann sagte einmal sinngemäß: „Als Schlagzeuger verbringst du 90% deines Jobs damit, Wumms klatsch zu spielen.“  Das sollte doch dann auch fulminant klingen, oder? Womit wir wieder ganz am Anfang dieser Geschichte sind: Ralf „Pommes“ Pommerenke hat eine Vielzahl von Kindern. Eine feste Zahl seiner Kinder hat festen Wohnsitz genommen, und die bekocht er auch gern. Aber eine weitaus größere Zahl seiner Kinder rotiert zwischen Kladow, mit Gott und der Welt und ist unterwegs. Am weitesten sogar in Japan, wie Herr Pommerenke ziemlich eingangs des mit uns geführten Interviews erzählt. Bzw. in Australien, wo er Nico herzlich grüßen lässt, der eine seiner Snareunikate spielt!


Interview von: Tommy Tulip mit: Ralf „Pommes“ Pommerenke (via vimeo.com)

(Netzwerkverbund verschiedener Könner lt. Interview)