263/13: Aufnahmen: Vom „raw Material“, aus dem nie was wird. Norwegisches Holz, indische Sitar und Verwandlungsversuche

Audio

_banner_Eigene.Aufnahmen

Was geht ab? Wir feiern das Leben. (Dirk Zöllner, 2012, Album „Uferlos“)

Die Idee zu diesem Stück, dessen erstes personal neu zusammengesetztes Proben hier dokumentiert und vielleicht sogar fermentiert ist, geht schon etwas länger zurück. Im Ursprung ist es ein Song aus Mitte der sechziger Jahre einer weltberühmten Band, die erste indische Erfahrungen machte. Welcher Song, welche Band, das wird nicht verraten. Irgendwann so geschätzt 2008 kommt Gitarrist Rolli Rollan (der Unvergleichliche) in einer frühen Release der mehreren „Famous, Xtraordinary Blackbirds.tv“-Formationen auf die Idee, auf einer Sample-Wickelspule diesen Loop abzunudeln. So ungefähr wie Kupferdraht. Und dann rankt sich um dieses „ätherische Kleinod“ Groove, ein gebetsmühlenartiges „one tone playing“ mit atemberaubendem Ciabatta. Om. Oder so ähnlich. #Aufnahmen meines Lebens

Oder ganz anders.

tommy tulip, Berlin, Germany

tommy tulip, Berlin, Germany

Ob man sich also wirklich musikalisch in der so genannten Phindungsfase befindet oder umgekehrt, ist eine Frage der persönlichen, künstlerischen Anschauung. Was manche für links liegend einzuordnen wünschen, finden andere schlicht „overwhelming“, können es aber partout nicht weiterentwickeln und zu einem Solitär von solch grandiosen Ausmaßen machen, die die Welt bis dahin noch gar nicht gesehen hat. Oder sie sind vollkommen verrückt.

Der Wiederbeschaffer dieses Soundschnitzels, dieser um historische Korrektheit bemühte Autor, ist mit neu hinzugekommenen „lustigen Musikanten“ ungefähr März 2010 in dem Wunsche, geniales zu wiederholen. In seinen Ideen, so wähnte dieser, seine beginnende Welt(musik)karriere zu fördern, schmückte sich aus dilettantisch, tantrischem Extaseversuch bereits ein neues weltmusikalisches Musical. Allerdings nicht „Miß Saigon“ oder so ein Tand, das Storyboard war bereits klar umrissen. Von Norwegischen Fjorden, wollenen Strickpullovern, angezündeten Blockhütten (nicht Autos) und dem „berühmten norwegischen Blauling“ sollte es handeln, jenem Blauling, der „abgeritten ist zu seinen Ahnen“ und „eine Runde pieft“. Break.

Welcher Song der Weltmusikgeschichte ist in dieser Session angedeutet, aber niemals klar angerissen? Seid vorsichtig: Das Audioschnitzel ist bisweilen von gewalttätigen Ausblühungen. Nur an den Rändern mäandert manchmal der zimtzuckerfarbene Schmand. Break.

Heute feiern sie Kindergeburtstage mit Onkels, die Dilet-Tanten von damals. Zu einer Welt(musik)karriere hatte es eben doch nicht gereicht. Inzwischen ist ihr Geschmack wieder ganz unverfänglich geeicht. Den Rest nennen wir zuweilen“ künstlerische Freiheit“. Wir, der Rest der Menschheit, steuerten von da an nun auf eine „rosa“ Zukunft hin, wir schworen mit Rosa Luxemburg der künstlerischen den Weg wie folgt: „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“. Später nahm Silly das kongeniale Album „Alles rot“ auf. Break.

Ihr seht, Geschichte korrekt darzustellen, ist gar nicht so schwer.

(EP)