292/13: Positionen: Ein Marktcheck zum Thema gute Unternehmenskommunikation und Schlagzeugfelle kaufen #Aquarian

Schlagzeugfelle kaufen!

Schlagzeugfelle kaufen!

Ich habe mich in letzter Zeit mehr als jemals zuvor mit dem Thema „Schlagzeug stimmen“, mit meinem Sound und allen damit im Zusammenhang stehenden Fragen beschäftigt. Nach einigen Umbauarbeiten an einem meiner Schlagzeuge durch den Berliner Schlagzeugbauer Pommes Pommerenke (ich berichtete) erfuhr ich von den mir sehr gut gefallenden Schlagzeugfellen der Firma Aquarian (USA). Diese setze ich auf dem besten aller Schlagzeuge ein und bin damit hochzufrieden.

Unzufrieden bin ich mit den Vertriebsstrukturen dieser Felle. Überhaupt bezieht sich meine Unzufriedenheit nicht nur auf Felle, die mir dadurch wegschwimmen, sondern auch auf Software, Musikinstrumente und vieles andere mehr. So ist das mit solchen Themen: Sie kommen teils in recht gebündeltem Umfang mit großem tschinderassa bum daher. Und nicht zackig, also Bumm tschak.

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Welche Produkte wir wo kaufen, hängt nicht nur davon ab, dass Konkurrenz das Geschäft belebt, einerseits. Vermutlich ist das zu kurz gedacht. In Frage kommen auch ganz andere, für uns vollkommen unbekannte Kriterien, an die wir zunächst gar nicht denken, weil wir als Drummer ohnehin nicht so weit denken können. Oder doch?

Ein Kriterium ist beispielsweise die „Marktpräsenz“. Wir haben es mit Denk- und Handelsschranken zu tun, mit Margen, Einkaufsleitern und Vorlieben der ganz überwiegenden Mehrheit. Allerdings: Bitte Vielfalt statt Einfalt. Mainstream überwiegt. Was alle haben wollen, bekommst du. Alles andere ist „Bestellware“.Die Frage ist doch: Laufen wir Bestellware hinterher oder deichseln wir das dann lieber gleich via Internet? Ein wesentlicher Grund für Musiker, zu thomann zu gehen. Schon weil sogar die Warenwirtschaft bei JustMusic diese Bestellware gar nicht anklickbar vorrätig hat. Ein großer unternehmerischer Fehler! #bugreports

Ich wende mich deswegen an einen von sagen wir drei Markt-Platzhirschen Deutschlands. In Berlin ist das „JustMusic“. Der Internet-Webshop der Firma gibt über die als nicht gerade gut geltende interne Suchmaschine genau drei Suchergebnisse mit dem Herstellernamen Aquarian aus. Das sind drei Felle, wie ich sie nicht haben will. Es kommen auch nicht alle verfügbaren Fellgrößen, sondern zwei mit 22 Zoll und eins mit 20 Zoll. Die Produktpalette der Firma Aquarian verfügt jedenfalls über sämtliche Fellgrößen, sodass es daran nicht liegen kann.

JustMusic in Berlin ist hinsichtlich Aquarian am Markt ganz klar unterbelichtet. Telefonische Nachfragen meinerseits gestalten sich äußerst schwierig, wie sich herausstellt. Die Firma ist vor kurzem fast insgesamt umgezogen. Es gibt jetzt einen flagship Store in der Kreuzberger Oranienstr.. Das ist sowas von „mega“, dass Dieter Bohlen dafür kein vernünftiges Wort finden würde. Oder „gaga“.

Ich kennedy. Seit ungefähr 1981 bin ich Kunde im Sound- und Drumland gewesen, in dem zu Zeiten von Jochen Stock (Unternehmensgründer) ersten gutsortierten Schlagzeugladen Berlins. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Die auf der Website angegebene Telefonnummer ist ein 0800er und funktioniert, Freizeichen. Aber es geht keiner ran. Auch wiederholt angerufen nicht. Schließlich suche ich tief in allen meinen verfügbaren Verzeichnissen und finde noch eine gewöhnliche Berliner Rufnummer. Dort habe ich Erfolg.

JustMusic, das ist jetzt so groß, das es verwirrt. Wohin man menschlich als Anrufer gerät, weiß man nicht genau. Ein Schwerpunkt liegt ganz offensichtlich immer noch nicht in dem Anspruch, den Webshop so voran zu treiben und weiter zu entwickeln, das telefonische Kundenkontakte überflüssig werden. Weil dessen Benutzung fehlerfrei und selbsterklärend ist. Nur drei Felle und nicht diejenigen, die ich benötige, weil ich andere Fellgrößen haben will und andere Modelle (nicht clear, sondern texture coated). Da wird der Kundenkontakt unvermeidlich. Man ruft an.

Das Gegenteil übrigens passiert beim Webauftritt vom fränkischen Platzhirschen thomann. Hier zeigt die Suchmaschine Aquarian-Felle mit 137 Treffern an (heute), das ist deutlich besser.

Es muss einen vernünftigen Grund geben, warum diese Felle bei JustMusic nur rudimentär (Rudiments!) gelistet sind? Wahrscheinlich: Es gibt keine richtige, sorgsam aufgebaute Geschäftsbeziehung zwischen JustMusic und Aquarian (USA). Schade eigentlich, sehr gute Felle.

– Ist die Marge zu gering, Aquarian-Felle zu verkaufen, weil man bei anderen Fellen einfach mehr draufschlagen kann?

– Wird Aquarian einfach zu wenig nachgefragt? Kein Wunder, wenn die weder im Laden noch im Webshop angeboten werden.

Ein paar Fakten, die nicht erhältlich sind, weil sie Unternehmensinterna darstellen: Wir wissen es nicht, vermuten aber, thomann hat eine viel weitgehendere Online-Affinität, wickelt also bedeutet mehr über Online-Geschäfte ab als JustMusic, wo man eher den Eindruck einer gewissen Behäbigkeit des Online-Auftritts hat. Darüber hinaus bekommt JustMusic im Moment (von mir) für die gesamte Unternehmenskommunikation Negativkritik. Es ist einfach nicht klar, wie das neue Konzept ist? Nur mit nachfragen verstehen wir das. Mit sorgfältigem Nachfragen.

– Die Standortfragen sind nicht hinreichend deutlich erklärt worden. Wer was sucht, ist verwirrt. Eigentlich entstand der Eindruck, kein Standort wird aufgegeben, aber das ist nicht richtig. Im Grunde hätte JustMusic mit viel mehr Brimborium sagen müssen, dass der Flagship-Store in Kreuzberg jetzt der einzige große, ja großartige Laden ist, an dem kein Musikerherz enttäuscht werden würde.

– Die Pariser Str./Ecke Fasanenstr. ist im Grunde genommen „tot“ als Standort.

– Die Kulturbrauerei wird uns jetzt erst durch hartnäckigstes Nachfragen erläutert als ein Platz, wo man Schnäppchenjäger spielen kann, ausgestellte Stücke billig kaufen kann. Eine Art „Outlet“, das Wort fällt immer wieder. Und „B-Ware“, also keine A-Ware. Vielleicht bisschen Zubehör. Aber so richtig sauber kommuniziert ist das alles nicht.

Das ist im Moment die wesentliche Kritik, und sie ist berechtigt. Es ist ein Wirrwarr von „ich weiß auch nicht, wohin ich muss“, gefühlt wohl nur noch nach Kreuzberg. Schade, schade, so wurde es nie klar kommuniziert.

Permanenz in Sachen Abwesenheit bestimmter Produkte, die einfach nicht ins Produktportfolio genommen werden, so wie die fraglichen Felle. Was bedeutet das eigentlich praktisch?

– Man soll vorbeikommen. Will man aber nicht. Man weiß doch sowieso, es ist nicht da. Soll man da hin kommen, um etwas zu bestellen, das nicht da ist und es sich dann zusenden lassen? Wozu?

– Die Konkurrenz im Fränkischen (thomann) hat bereits eine Vielzahl von Sachen per Mausklick orderbar. Schon mal einen Weg gespart.

Alte, liebgewonnene Verbindungen (zum Beispiel zu bestimmten Verkäufern, mit denen man ein gutes Vertrauensverhältnis hatte) sind schlicht und ergreifend weg. Böse Zungen zischeln was von „In der Kulturbrauerei ist jetzt Rudis Reste Rampe“. Das hat doch so bestimmt niemand gewollt.

Wenn wir aber den Vorzug lokaler Geschäfte und Geschäftsverbindungen komplett aufgeben zugunsten Unternehmensgröße und deutschlandweiter Vormachtstellung, wird jedenfalls der lokale Markt am Ende zusammenbrechen. Ein Schreckenszenario. Niemand kennt dich mehr und wessen Rat magst du noch vertrauen? Wo doch der Musikalienhandel auch eine ausgebuffte Sache von hart erarbeitetem, persönlichen Vertrauen ist?

Pustekuchen. Alles weg.

Fassen wir zusammen: Wir können als Kunden kaum noch durchdringen beim Händler unseres Vertrauens! Wir können ihm am Telefon oder am Verkaufstresen sagen: „Nun nimm doch bitte auch mal Felle von Aquarian fest ins Produktportfolio.“ Die Antwort lautet bestenfalls „JAJA“. Im Sinne von „Machen wir nicht“ und „Da könnte ja jeder kommen“. Natürlich weiß ein kluger Schlagzeuger (kein Widerspruch in sich) was von den Kosten ungebührlicher Lagerhaltung, von Tausenden von Artikeln, die wie Ladenhüter daherkommen. Am Ende aber entscheidet auch beim Kunden ganz rationales, zielgerichtetes Vorgehen. Die „Abstimmung mit den Füßen“ findet inzwischen mit den Fingern per Mausklick statt. Einfach fett im Sessel zurückgelehnt, die Sachen da gekauft, wo sie verfügbar sind und abgewartet, bis der Postbote sie bringt.

Dass wir uns alle beklagen, der lokale Einzelhandel stürbe aus, jawoll, das liegt doch an solchen Geschichten. Schade schade. Der ursprünglich höchstpersönliche Ansatz, zu seinem lokalen Dealer ein gutes Verhältnis zu pflegen, weil er allein ortsnahe ist, weil ich ihn kenne und weil ich weiß, „der bescheißt mich nicht“ (Kraftausdruck von Gitarristen, nicht Schlagzeugern ;-)) ist über die Wupper. Dahin, vorbei, aus und vergessen.

Gesagt habe ich, was zu sagen ich mir vorgenommen hatte. Einen befriedigenden Abschluss hat die Geschichte für mich noch nicht. Aber dies Problem, das habe ich jetzt am Beispiel von sehr guten Aquarian-Fellen aus USA aufgezeigt, es war mir wichtig, das mal zu erzählen.

One two three…tschak-a-tschak! Plöng! Janggggg.- Onlinehandel aus Pjönjang!
Äh, Oberfranken. 🙂

(EP)