Es ist schmierig, mir mal wieder was Gutes zu tuten!

367/14: Video: Begriffsklärung- + Erinnerungsversuche zur „Batacuda“ #Latindrumming

Es ist schmierig, mir mal wieder was Gutes zu tuten!

Es ist schmierig, mir mal wieder was Gutes zu tuten!


Batacuda Brasileira – via Youtube

Du musst nicht alles wissen. Aber es ist gut zu wissen, wo, was Du nicht weißt, steht. (Theodor zu Guttenberg, Kopierer, nur sinngemäß zitiert)

Ich habe in der letzten Woche zu einer Jazzprobe auch Bassisten eingeladen. Wir suchen nach wie vor einen festen, gekonnten Bassist, der im Jazzquartett bereit ist, „sogar auf Bühnen aufzutreten“, der wöchentlich engagiert fest mitspielt.

Einen ganz wundervollen Bassisten hatte ich mit Gabi (Spitzname für „Gabriel“) aus Südamerika eingeladen. Ein echter Glücksfall.

Allerdings spielt Gabi durchaus „in einer anderen Liga“. Die Verabredung lautete, wir spielen im Quartett Jazz. Gabi ist Argentinier, 29 Jahre alt und der beste Bassist, mit dem ich je zusammen gespielt habe. Er hat einen Abschluss als „Dirigent“, spielt eBass (Warwick, 5-Saiter) und upright (Kontrabass), sowie -nach Eigenauskunft von ihm, ich befragte ihn eingehend- ein ganzes Mützchen anderer Instrumente. Inhaltlich geht es für Dirigenten nicht darum, alle, sämtliche Instrumente spielen zu können, wie Yehudi Menuhin die Geige. Mindestens geht es darum, dass ein Dirigent wissen muss, was man mit guter Spieltechnik auf einem Instrument in der Lage ist aufzuführen.


Berlin Drum Week 2013: Abschlusskonzert Flughafenfeld Tempelhof (mit Stephan Emig)

Der oft unterschätzte Bassist, eine wahre Begebenheit:

Gerade eben erst bei unserer Probe: Neuer Bassist der zum Vorspielen gerade da ist, erklärt uns, dass er eben etwas sprachenbegabt ist und seine Frau Europäische Sprachen studiert.. Danach noch der Satz: „Ansonsten bin ich nich so ein Genie in Mathe und so…“ Unser Drummer: Warum spielst du dann Bass? Ach warte ne is klar.. – Lautes Lachen in der Gruppe

Mitglied Paul Leo Töpfer, Mitglied der Spezialistengruppe: Musikerwitze auf facebook (31.10.14)

Also ein „pfff“, geblasen auf der Klarinette und ob wir dann alle die Vögelchen singen hören? Na, vögelt´s schon ganz anrührend? Tirili…

In einem der Stücke, die wir gemeinsam probten, gab Gabi nach dem ersten Durchlauf als Idee dazu, wir könnten das auch „als Batacuda interpretieren“. Nun verlässt mich hier und da meine Erinnerung, denn ich kann mir partout nicht alles merken, was auf der Weltmusikbühne kreucht und fleucht.

Der Schlagzeuger Dirk Brand hat dazu -mit voller Absicht, vermute ich- ein brandrichtiges Lehrbuch, besser ein Nachschlagewerk für die „1.000 styles of Drumming“ mal geschrieben. Es gehört für mich zu den besten Nachschlagwerken der deutschen Schlagzeugliteratur, denn genau darum geht es: Um „brandrichtiges Nachschlagen bei Bedarf“. Die Freiwillige Groove-Feuerwehr spricht vom „Brandfall“. Scherz beiseite.

Dirk Erchinger, Drumtrainer in Berlin, hat auf der „Berlin Drum Week 2013“, an der ich teilnahm, sinngemäß gesagt: Willst du als Drummer mit Fortüne ins Musikgeschäft einsteigen, wird es vermutlich nicht erforderlich sein, dass du wie in einem Kaufmannsladen jede Stilschublade bei Bedarf sofort aufziehen kannst und etwas rhythmisch anbietest. Eher wird es so sein, dass du dich auf etwas spezialisierst, was du dann aber in einer ganz besonders guten Art und Weise beherrschen solltest. Weswegen du dann gefragt bist für solchen „bullshit“.


Berlin Drum Week – Abschlusskonzert Flugfeld Tempelhof, Sonntag, 04.08.13 – Batacuda Drumming

Auf der Berlin Drum Week 2013 erschien kurz auch der südamerikanische Schlagzeuger Diego Piniera, der in Berlin lebt und der auch Latindrumming unterrichtet. Während wir vom Trommeln schon verrückt stöhnten, damals, es gab ein großartiges Vielschichtprogramm, dessen Auffressen Seele uns einhauchte, wie Thailands Essen in den Mittagspausen in der Bergmannstr., gab es auch eine Unit „Street Drumming“. Die Marschkapelle von Dirk Erchinger zählt zu den großartigen „Mach mit – mach´s nach – mach´s besser“, aber bitte als Mitglied einer solchen „Gruppo sportivo“ und nicht als Solokünstler.

Der überaus weite Kreidekreis, den dieser Artikel hier eventuell in zu weitschweifiger Art und Weise schlägt, ist eigentlich ganz einfach folgender:
Als mich der Ausnahmebassist Gabi mit „Mach´n wir ´nen Batacuda draus?“ konfrontierte, ahnte ich noch nicht, dass ich das eigentlich selbst schon einmal getrommelt hatte. Erst hinterher, eine Woche später heute, kommt mir wieder die Erinnerung hoch. Der Grund: Ich habe das oben einleitende Video (besser: die Audiodatei) angehört und festgestellt, ja, das kenne ich schon.

Jazz Brushes

Jazz Brushes

Auf dieser Baustelle meines Lebens war ich nur kurz gewesen.

Wir hatten mit der Teilnehmer Street Band auf dem Flughafen Tempelhof eine Art Abschlusskonzert eingeübt. Die Percussiongroup um Stephan Emig etwas anderes und ich selbst als Bassdrum-vor-dem Bauch-Spieler („Pauke“), eine Batacuda.

Nun, also ab heute, werde ich nie wieder vergessen, dass ich selbst schon einmal eine Batacuda wenigstens teilweise getrommelt habe. Als Bestandteil einer ganzen Marching Streetband. Der Rest ist Geschichte.

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