402/15: Video: Vergessene Welt „Die Trommelfabrik“ #Sonor – In Weißenfels an der Saale

Videotipp

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Im Jahre 1875 wurde Sonor in Weißenfels an der Saale durch den Drechsler Johannes Link (geb. 1847 in Forheim) als Hersteller von Natur-Trommelfellen und Militärtrommeln gegründet. Drei Jahre später baute das Unternehmen die Produktionsstätte aus und zog in die Leipziger Straße um. Auch die Produktion wurde weiter vergrößert. Um die Jahrhundertwende (1900) begann man, auch Pauken, Kreuztrommeln, Xylophone, Becken, Triangeln und kleinere Schlaginstrumente herzustellen. (aus Wikipedia)

Die nachträgliche Besichtigung der ursprünglichen Wirkungsstätte hat zeitgeschichtlichen Charakter und zeigt, dass der Wegzug nach Bad Berleburg nach Beendigung des zweiten Weltkriegs Sonor gut tat. Fortan, so heißt es, hätten Aufträge der Roten Armee Vorrang bekommen. Schon bald hatte das Politbüro der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland mangels Übung Schwierigkeiten, im Klatschtakt zu bleiben. Die „East German Clave“ genannte Figur wurde auf Parteitagen mit RL-Gleichklatsch (together forever) aufgeführt, angeführt vom Politbürovorsitzenden, einem Dachdeckergesellen aus dem Saarland.

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Immer wieder wurde die East German Clave von Zeitgenossen modernistisch uminterpretiert, wie die vorstehende Abbildung zeigt.

Der Irrtum war perfekt: Die „East German Clave“ war eben kein Geschenk: Man nannte sie nicht „Julklapp“. Infolge von Irrtümern wie diesem löste sich die DDR wenige Jahre später von selbst in Wohlgefallen auf. Denn niemand hatte die Absicht besessen, einen deutschen Klatschtakt im Alleingang zu installieren. Auf mehreren Parteitagen hintereinander wurde das ganze Ausmaß der Tragik immer offensichtlicher: Die East German Clave machte aus der Arbeiterschaft  des Arbeiter- und Bauernstaats Sklaven, zutiefst rhythmisch Abhängige. Doch die Trommeln der VEB Trowa -kurz für „Trommelwaren“- saßen in der Sowjetunion fest.

Am alten Firmensitz in Weißenfels an der Saale ging das Firmengelände einmal in schwerem Trommelfeuer auf, lange bevor an Stalinorgeln und Pressluftgitarren überhaupt zu denken war. Diese Geschichte ist verbrieft.

Der Rest ist Geschichte. Sie könnte allerdings geringfügig anders verlaufen sein. Für die Richtigkeit der Chroniken von VEB Trowa kann hier deshalb kein Gewehr übernommen werden, so der sowjetrussische Pressesprecher Jurij Klappatowumm.

Praxistipp: Das Video auf Vollbildmodus stellen, Lautsprecher schon laut an. Wer das videotisch findet, kann die Fotos dazu auch auf facebook ansehen, hier entlang bitte…

Nur auf Youtube direkt anzusehen: „Die Trommelfabrik“ Lost Places

Klaus Ruple ist Sonor-Sachverständiger und hat hier viel Wissenswertes über die Geschichte des Unternehmens zusammengetragen.

Ach so, und glaubt nicht alles, was im Internet steht.

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