461/17: Positionen: Was das Jahrhundertschlagzeug betrifft, das CITES Abkommen und Schkopauer Plaschtelascht #SonorSignature

Sonor Signature Banner - Let Them Eat Drums #TTT

Und schon wieder hören wir kurz von der Musikmesse in Frankfurt, dass sie keine mehr ist und ein Besuch nicht mehr lohnt. In diese Zeitschneise dramatisierender Zuspitzung durch den Berichterstatter (wir berichteten weithin gelesen, Link ganz unten) kommt jetzt noch das CITES-Abkommen obendrauf. In einer Zeit zunehmenden Online-Versandhandels wird das haptische Erlebnis, ein Schlagzeug anzuschaffen, nicht mehr durch allzu betörende Gerüche gestört, durch zartes Streicheln, anfassen und schnuppern. In Zukunft gilt der Herkunftsnachweis: Eine Art Ariernachweis für Musikinstrumente. Davon etwas mehr nachfolgend.

Was das Quartett spielen angeht, sind hauptsächlich Jungs unterwegs. Auch in Schlagzeugerkreisen weit verbreitet, zeigen Männchen der Spezies Homo sapiens gern ihr bestes Stück vor, damit es von Artgenossen ausgiebig bestaunt werden kann. „Guck mal,“ sagt man auch heute noch, „ich spiele dieses Kit.“ Erwachsene Jungs nennen es Drum porn oder Gear porn. Es geht darum zu zeigen, was man hat. Um dann emsig die bestes-Stück-Daten miteinander abzugleichen. Lasst Euch eins sagen: Inzwischen schließen auch die Mädels stark auf. Hehe.

Immer wenn ich mit Anderen Drummer-Canaster spiele, gerate ich mit meiner Nachlässigkeit ins Hintertreffen. Ich stelle fest: Mein ganzes Leben ist die totale Veränderung, Experiment, Herumprobieren. Ergebnis: Niemals stimmt es so ganz, der Status Quo ist ein Fluidum, eine Art zähflüssige Brennpaste, die immer kokelt, aber nie so richtig brennt. Doch Deutschland, danke Merkel, hat jetzt aufgeschlossen. Zum 02.01.2017 kommt endlich Ordnung in die Nachlässigkeiten des Schlagzeugerlebens. Aber auch Violine, Cello, Bass und Gitarre sind betroffen, ja sogar Blockflöten. Der deutsche Michel muss sich dem europäischen beugen und es wurde eine weltweite Nachweispflicht für bestimmte artengeschützte Hölzer eingeführt. Das so genannte CITES-Abkommen ist gemeint.

Sonor Signature (2016)

Hier setzt jetzt eine strikte Nachweispflicht ein, die die Besitzer solcher artengeschützten Hölzer an die deutsche Eventbürokratie fesselt: Besitzer von Instrumenten mit bestimmten Palisanderarten und Rosenholzinstrumenten (hier: Bubinga) dürfen ihr Altinstrument zwar weiterhin besitzen, Gott sei Dank. Aber es gelten nun für Neu- wie für Altinstrumente strikte Nachweispflichten, die als erstes im Musikalienfachhandel streng die Runde machten. Da eine genaue behördliche Usance, wie das erst im Oktober 2016 geschlossene Erweiterungsabkommen anzuwenden ist, behördlicherseits noch nicht veröffentlicht ist, gibt es bis zur Regelung strenger Nachweispflichten reichlich jetzt schon Handlungsempfehlungen. Ihr gugelt das.

Lasset uns fernab vom Sachverstand damit mal gurgeln. Und würgen.

Sonor Signature #TTT

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Foto vom 1. März 2016: Gilt ein solches Foto auch zollrechtlich und aufbewahrungsvorschriftlich schon als Eigentumsnachweis im Sinne des CITES-Artenschutzabkommens? Oder führt der Zoll die Beschlagnahme nun unmittelbar durch, weil keine behördliche Registrierung erfolgte? Wir werden umgehend berichten, sofern der Zoll die Computertastatur dieses Computers nicht gleich als Tatwerkzeug mitbeschlagnahmt. Versprechen können wir daher nichts….

Diese gehen dahin, die artengeschützten Alt-Musikinstrumente mit einem behördlichen Anschaffungsnachweis registrieren zu lassen.

Auf die Idee, dass derartiges deutsches Brauchtum die künstlerische Freiheit der Menschen einschränken könnte, ist noch niemand gekommen. Im Grunde genommen ist das Ziel des CITES-Abkommens nicht von der Hand zu weisen und beachtenswert, ja anerkennenswert. Doch der wuchernde Holzmichel hier steckt wie immer, wenn Gesetze und Verordnungen anzuwenden sind, im Detail. 100 Prozent Verwaltungsgenauigkeit sind gefragt.

Die neue Registrierpflicht, die noch gar keine ist, wenn man sich genauer damit befasst, treibt auch schon lustige Blüten. Beispielsweise die Besitzer von Schlagzeugen der Firma Sonor aus der Baureihe Sonor Signature (das ca. 1984 bis Anfang der Neunziger hergestellt und verkauft und dann eingestellt wurde) müssen nun fürchten, an haarspalterische, unkenntnisreiche Zöllern und Zollfahnder zu geraten. Wer ein solches gebrauchtes Stück Schlagzeug verkaufen will, muss genaue Verwendungsnachweise geführt haben, sondern droht gleich die Beschlagnahme.

Ich kann die Sache gar nicht tiefer ausschmücken. Es ist ekelhaft.

Wie immer wenn Recht bemüht wird, gibt es dabei jede Menge spannende Rechtsfragen. Gilt beispielsweise die gewissenhafte und unverfälscht nachweisgeführte Blogberichterstattung über den Umbau bereits vorhandener Edelhölzer durch renommierte Schlagzeugbaubetreuer schon als Nachweis? Oder nur ein von einem behördlichen Holz- oder Totenkopf ausgefüllten Herkunftszeugnis mit holzarischem Edelnachweis und wenn ja, welche Maserung? Undsofort.

Eine Art Herstellerbescheinigung der Firma Sonor allerdings wäre dem geneigten Besitzer sicher anzuraten, die sinngemäß bescheinigt, dass das Schlagzeug anhand von Modell und Seriennummernschild aus den Beständen der Edelschmiede aus Bad Berleburg stammt und ganz und gar ausgeschlossen ist, dass derartige Hölzer nach dem 02.01.2017 aus bedrohten tropischen Wäldern herstammen können, wenn sie zuvor schon jahrelang zum Verbau in Schlagzeugen dieser Serie in Ablagerung gelegen haben dürften.

Plaste und Elaste aus Schkopau!

Fassen wir zusammen: Musiker lassen sich nicht gern registrieren und in Formularprozessen an die Kandare nehmen. Natürlich gibt es da draußen auch jede Menge ordnungsliebende Otto Normalverbraucher, die freilich nicht im geringsten aufbegehren und alles anstandslos über sich ergehen lassen. Wir fassen weiter zusammen: Neue Drumsets werden nun in Vogelbeere und Sanddorn (Küstenstrauch) erwogen, in Heidelbeer und Gummibärchen oder am besten gleich in Sandkristall bzw. Glasacryl.  Holz, das war sowieso gestern.  Heute ist Plaste und Elaste aus Schkopau hoch im Kurs: Seit dem Untergang der DDR ist die Rückbesinnung als Historienboom nicht mehr wegzuleugnen.

Ja, lebt denn der alte Holzmichel noch?

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