Die Aufnahme entstand diese Woche beim Üben. Ich habe mich mal wieder mit Besen beschäftigt. Das tue ich viel zu selten. Ich liebe Besen. Nicht um sauber zu machen. Ich mag diese leichte Art, das Wischen und die Tatsache, dass man eine Band damit sehr wohl herausfordert, endlich leiser miteinander zu spielen. Das ist irgendwie auch das Hauptproblem: zu laute Mitmusiker.
Sagt ausgerechnet der Schlagzeuger, aber es stimmt, oder…..?
Es wird eine Zeit kommen, siehe, da wird der Begriff des “altersgerechten Wohnens” noch einmal komplett neu definiert. Da gibt es stückchenlose Brotsuppe für die Zahnlosen und die zitternden Zeternden werden verlangen nach ganz anderer Musik als früher. Sie werden Highway to Hell skandieren, Stairway to Heaven und im Keller des Seniorenheims werden Übungsräume entstehen und Punkbands sich gründen von alternden, knittrigen Postpunks.
Was wir uns fragen müssen: Werden wir irgendwann zu alt, um noch dem Schlagzeugspiel zu frönen mit Lust, Energie und Verve?
Andreas Bock ist einer der versiertesten Bluesschlagzeuger Europas. Über 20 Jahre Bluesschlagzeug haben ihre Spuren hinterlassen. Einerseits in der nationalen Szene als Gründungsmitglied der “Blues Shacks”, aktueller drummer renomierter Bands wie “Niels von der Leyen Trio”, “Boogie Radio Orchestra”, “Kat Baloun Blues Band”, “Blues Rudy”, “KC Miller” oder “Little Roger & The Houserockers” sowie andererseits als internationaler freelancer z.B. bei “RJ Mischo (USA)”, “Andy Egert Blues Band (CH)”, “Trickbag” (S), “London Phillips (USA)”, “Mark Hummel (USA)”, “Tomi Leino (Fin)”, “West Weston (GB)” oder “Janice Harrington (USA)” (Selbstdarstellung auf der Homepage von Andreas Bock, Link unten)
Karl Johannes Schindler hat ihn neulich interviewt: Andreas Bock, preisverdächtigter Bluesdrummer mit einigen Nebenberufungen, wie das Interview zeigt. Für die Güte und Qualität der gestellten Fragen ist eindeutig der Interviewer selbst verantwortlich, dem wir für die Überlassung seines extrem diskreten Zwiegesprächs verschwiegen danken.
John Bonham Tribute by Jason Bonham at Guitar Center’s Drum-Off 2009 (via youtube)
Ohne Besen (siehe vorheriger Beitrag), auch nicht mit Schirm, Charme & Melone (Bonham´s Erkennungszeichen), dafür aber auch “echt sauber”, allerdings auch nicht gerade “sehr clean”, was Sohnematz Jason da so spielt. Kein Wunder: Bei dem Vater. Stille, Andächtigkeit, RIP, John-Henry, we miss you!
Florian Alexandru-Zorn hat “Die Kunst des Besenspiels” geschrieben und damit als “upcoming Besenpapst” mal ein Kompendium vorgelegt, mit Hilfe dessen es möglich ist, sich eins zu wischen. Dass er selbst wischen kann, kann man z.B. hier sehen. Und was ist das Besondere am Begleiten von Balladen? Richtig: sie sind langsam, die Summe der zu spielenden Noten fällt magerer aus, als im gewöhnlichen Uptempo-Hickedihack. Wer wenige Noten innerhalb der Time spielen muss, kann sehr leicht daneben hauen, also einen Schlag versehentlich außerhalb der Time setzen und -zackbumm- ist die Time insgesamt hin. Die Ballade ist eine der Königsdisziplinen für Drummer. Mit Disziplin gespielt, wie gesagt.
In jeder Musikrichtung bzw. auf jedem Instrument gibt es Referenzen, die man sich anhört bzw. die man zu spielen trachtet, um zu beweisen, dass man dort schon angekommen ist. Was für das Schlagzeugspiel und unbedingt für das Stück Rosanna von Toto gilt. Jeder will es spielen können und zeigen: Ich bin ein Könner. Ich kann ihn noch nicht in der Geschwindigkeit spielen, die Steve Porcaro dabei drauf hatte. Oder jetzt aktuell Simon Phillips. Das macht nichts.
Der liebe Gott hat in diese Übung zwei Typen Lesebrillen hineinaddiert: eine für den Tag. Und weiter hinten eine Sonnenbrille. Das hat was mit Gemütszuständen zu tun: während vorne noch der Tag glimmt, ist es am Ende so gleißend hell, so hell, dass uns die Sonne blendet. Denn fast verrecken wir an der hinteren Abteilung dieses “doppeltaktigen Grooves” und insbesondere an unseren Füssen im Verhältnis zu den Schlaghänden weiter oben. Beherrschen wir auch den hinteren Abschnitt, ist “Sommer in der Stadt” und da brauchst du dann auf jeden eine Sonnenbrille….#Gedanken
Schon als Gott die Göttergaben verteilte, waren einige benachteiligt, weil sie nicht richtig aufpassten. Heute nennt man diese Kinder krank: ADHS. Aufmerksamkeitsdefizit…. Folglich wurde Heidi Klum besonders schön, jedenfalls nach ganz herrschender Rechtsauffassung. Während wiederum andere besonders schlau wurden. Oder beides? Egal. Nein, nicht das Duracell-Häschen ist hier angesprochen, sondern der Groovehamster. Als der ich mich fühle, wenn ich mir diese Übung genauer anschaue.
Es geht um die besondere Unabhängigkeit aller fünf Gliedmaßen zueinander. Bzw. vier. Rechts und links sauber verteilt im Ostinato (Durchpräkeln) zwischen Hihat und Snare und dazu mit den Füßen rechts ne Bassdrum addiert, die Hihat zu treten oder zu öffnen ist nicht einmal notiert. Aber darauf läuft es hinaus. Und wenn es erst klappt, ist es ein wunderbarer Groove. Probiert es aus. Ick oooch….
Sieht nicht nur kompliziert aus, ist es auch: aber dann groovt es ganz gut. Diesen Takt aufzuschreiben war so freundlich Sabine Zlotos. Üben, üben, üben! Ach so: Sabine kann ihn schon! Was mich angeht, …..
Es steigt weißer Rauch auf zu Weihnachten über dem Drummikan! Habbemus rhythmem! Wir haben den Rhythmus!
Ein neues Stück, an dem wir als Band arbeiten, soll “Superhero” heißen. Wie es so klingt, gebe ich mal audiotechnisch per Einbindung zum Besten. Kannst ja mal rein hören, hier:
Superhero, Entwürfe, Skizzen – The famous, xtraordinary Blackbirds.tv – via divshare.com (recorded 08.12.10)
So schwierig ist das ja nicht: Es drückt lediglich nur aus, dass ich zu wenig mit Jazzbesen spiele. Oft keine Gelegenheit in den derzeit gespielten Stücken. Dabei täte es einer Vielzahl von Bands gut, Stücke, die sich dafür eignen, besenmäßig zu bespielen! Nebenbei hat das den Effekt, dass der “arme” Schlagzeuger (auch) diesbezüglich besser wird. Besen sind wunderbar locker und leicht, fast cremig und erzeugen einen guten Groove, vorausgesetzt, sie werden kenntnisreich gespielt. Ich selbst kann da bedenkenlos noch viel, viel lernen! – Gute Vorsätze!
Ich habe mich mit Sabine, meiner Schlagzeuglehrerin, auch immer wieder darüber ausgetauscht, vor allem seit kürzerem, wie das Zusammenspiel zwischen Schlagzeug und Percussion auf einer Weise “einander befruchtet”. Einen solchen “grundmäßigen” Groove, der sozusagen eine “eierlegende Wollmichsau” sein soll, hat Sabine für mich kurz eingespielt. Mit ihm kann, wer ihn beherrscht, ein Percussionist schon 95% des Mainstreams an Musik begleiten, also fast komplett Netzabdeckung.
Und halten wir eins fest: Ich ärgere mich oft über mich selbst, weil ich einfach vor lauter Schlagzeug spielen nicht zur Besenarbeit komme. Dabei muss man den Besen überhaupt nicht nur in der Jazzmusik einsetzen. Besen sind universal, und was das Besondere ist: Du kannst wischen, auch wenn es dreckig ist. Mit Besenarbeit wird’s nicht sauberer. Also musst du gleich sauber spielen, sonst klingt’s dreckig. Alles klar?
Teil 2 eines Versuchs ganzheitlicher Betrachtungen mit unabsehbaren Folgen
Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn.” Psalm 143,10 (Herrnhuter Losungen) – denkbares Stoßgebet eines Schlagzeugers, gerichtet an Buddy Rich
Nach Teil 1 der Feldforschungsserie in Gründung, wie man zwoeinhalb “Männer” (stellvertretend für Menschen) unter einen Hut bekommt, bandtechnisch, kann ich bereits weitere interessante Gedankenfetzen zum Besten geben. Dazu habe ich mich auch an eine Sachverständige für Percussionfragen gewandt. Ich hatte Gelegenheit, die Percussionisten der Gruppe “uchawi mashua” während eines ihrer Auftritte kennenzulernen.
Fragt man einen Schlagzeuger, wer wichtiger ist, im Bandzusammenhang, sagt er “Der Schlagzeuger”. Also habe ich die Chefpercussionistin von uchawi mashua gefragt. Erwartungsgemäß antwortete sie mit “der Percussionist”. So herum lässt sich also vermutlich das Problem nicht abschließend auflösen. Weitere Feldforschungsversuche.
Kernthema: Wie bekommt man 2 ½ Mann unter einen Hut?
Das hier hörbare Stück Audioschnitzel ist aus unserem Proberaum und wurde im Juni 2010 bearbeitet. Es handelt sich um ein Stück Reggae, dass allen bekannten Klischees, wie Reggae sich anhören muss, möglichst gerecht wird. Irgendwie ist es auch lustig anzuhören. Findet jedenfalls der Autor dieses Beitrags. Wir hatten das Stück schon einmal vor kurzem versuchsweise angespielt und es nun erneut aufgegriffen, um es als Reggae-Version einer bereits niedergelegten, anderen Fassung für uns aufzubereiten.
Unter Hospitalismus (ursächlich auch Deprivationssyndrom genannt) versteht man alle negativen körperlichen und psychischen Begleitfolgen eines längeren Krankenhaus- oder Heimaufenthalts oder einer Inhaftierung. Dies beinhaltet auch mangelnde Umsorgung und lieblose Behandlung von Säuglingen und Kindern, in der Psychiatrie Symptome infolge von Heimaufenthalt, Folter oder Isolationshaft. (Wikipedia, hier)
Ich mag die Geschichte, die Berni uns hier erzählt. Wir haben irgendwann im März/April 2010 zusammen im Proberaum gehockt. Es ging inhaltlich darum, den Bassisten, der sich vorgestellt hatte, auszutesten. Alles in allem lässt sich zusammenfassen, dass uns da ein gutes Stück Spontaninstrumentalismus gelungen ist. Das Gegenteil von Hospitalismus.
Es spricht tatsächlich einiges dafür, dass man dem konzentrierten Arbeiten in einem Proberaum irgendetwas Ätherisches nachfolgen lässt, was dem reinen Zeitvertreib Vergnügen dient. Ein solches kann bspw. sein, dass nach getaner Arbeit – dem Üben an der strengen Form – etwas Unverbindliches nachfolgt. Etwas, was sich entwickeln kann und was möglicherweise ganz woanders endet, als man selbst für möglich gehalten hätte. Abgebildet sind hier rund 32 Minuten Mitschnitt einer am 02.06.10 abgehaltenen Session der Musiker.