568/19: Positionen: The higher they climb the harder they fall # First we do commercials then we take Berlin.

Mir tun die Opfer der widerlichen Werbetreibenden und ihrer perfiden Strategien leid. Modeopfer. Mickrige, dünne Models, mit Schattenringen unter den Augen. Ausgebleicht, mager, zu dünn. Leider geil. Oder? – Allerdings habe ich auch folgendes Problem: Ich werde immer älter und verstehe das weite Feld der gesellschaftlichen Überregulierungen durch Gesetze, Verordnungen und mäandernde Rechtsprechung nicht mehr: Ich glaube nicht, dass die Welt so kompliziert geworden ist, das es immer weitergehender, neuer Vorschriften bedarf. Ich glaube, es ist längst Zeit für eine komplette Streichaktion: Weg mit diesem befremdlichen Ballast. Mehr Platz: Zum Beispiel für gute, rhythmisch brillant geführte Musik. Womit wir beim Kernthema sind: Drums make Wumms!

Sind wir am Ende nur Kommerznutten? Hat das das Internet bewürgt? Tragen wir Marken zu Markte, bzw. Felde, um mit ihnen anzugeben? Ich habe, also bin ich? Ist es jetzt aber höchste Zeit, dass die Rechtsprechung und der Gesetzgeber da einen Riegel vorschiebt? Oder stranguliert das Recht in Wirklichkeit nur die Kreativen? Gefallen und die genannten Marken nur, weil sie für was stehen, was andere Marken nicht haben? Für irgendwas auch immer stehen doch aber bestimmte Marken, die wir verwenden und wenn wir davon ein Sammelsurium zusammen haben, entspricht das überhaupt noch dem deutschen Rheinheizgebot? Es hat doch nur keiner gemerkt, weil der Klimawandel die Werte kaschmirt. „Irgendwas ist immer,“ wusste Roman Kaupert, Berlin-Entwickler und Inhaber der Marken- und Namensrechte der Familie Kaupert: Die wissen, wo’s lang geht. Wenn nicht die, wer dann?

Und all die Anderen? Orientierungslose, die sich vor Weihnachten bei Frank Zander im Estrel anstellen? Mitnichten. Es gibt sie noch, die schöperische Boheme der Stadt. Die ist allerdings längst aus der Stadt weggezogen.

Ein billiger Abklatsch des all zu Kommerziellen, alles unterwegs im Auftrage vom Geheimsten Oberkommerzienrat Mister Mister Big Business – ein Ami übrigenz. Das liegt am Bodensee. Doch schauen wir genauer hin. Entgegen allen Bestrebungen, eine Art Warenkennzeichnungspflicht in Hobbymodels einzuführen, sodass jetzt sozusagen niemand mehr nachdenken muss und einfach hinschreibt „Unbezahlte Werbung“ ist schon wegen der namentlichen Erwähnung bekannter oder weniger bekannter Markennamen unbezahltes Produktplacement zu vermuten. Ein widerlicher Angelizismus, tres Jolie, oder? – Und schon ist der Leser heiß und nicht die Leserin. Wer würde nicht gern etwas einführen? Hier ist alles im Fluss: Diese Frage ist natürlich rheinretorisch gemaint. Ich hab das Markenkennzeichnungsbild daher „The Birth Of The Cool“ genannt und Jazzliebhaber wissen schon.

First we do commercials. Then we take Berlin.

Wer erkennt eigentlich, welches Lied ich auf einem Tulipstagram von gestern Abend in eine Synthesizer einspiele?
Kann denn Liebe Synthie sein? Ich frags für einen Freund.

Weiterführend

* Das Tulipstagram zum Thema Süntiseiser
* O Gott: Suchbabenstalat auf der Snare