497/17: Aufnahmen: Die Jazzballade, Patina auf der Lampenschale, Miles & more, Mojito und Erinnerungen an Portugal

Als Ballade in der Unterhaltungsmusik werden melancholische Stücke in langsamem Tempo bezeichnet. Für Rockballaden wird auch der Begriff „Power-Ballade“ verwendet. Balladen von Liedermachern legen das Schwergewicht auf den Textinhalt. Bei Liedern, die im Songverlauf den Balladen-Charakter verlieren, spricht man bisweilen von „Halbballaden“. Beispiele dafür sind Stairway to Heaven (Led Zeppelin) oder One (U2). Im Jazz spielt der Schlagzeuger bei langsamen Stücken erzählenden Charakters oft mit dem Besen. Bei Rockballaden werden in Konzerten oft Feuerzeuge oder Handys hochgehalten, um ein Lichtermeer zu erzeugen. (zusammenstellt aus Wikipedia, deutsch, zu „Ballade“)

Der Zuhörer einer Jazzballade hält hingegen ein nasskaltes Stimmungsgetränk in der Hand, an dem er in sich versunken nippt, häufig an einem Tisch sitzend, mit Kerzenbeleuchtung, mindestens aber bei gedämpftem Licht im Saale wegen der Patina der Lampenschale. Weniger in Halle/Saale. Soweit zur Poplyrik. Wenden wir uns jetzt etwas ganz anderem zu.

Ich kann berichten, dass mir das Spielen von Jazzballaden immer sehr gefällt. Der Grund: Sie sind langsam, sparsam, meditativ. Sie leben vom Weniger, nicht mehr. Action ist abgesagt, die Ruhe in Person ist es. Keine Artistik. sondern „Der Ton“, hohes Maß Spannung, bloß kein künstlicher Klimax oder irgendeine Art von Selbstbeweihräucherung. Die Ballade ist es in sich selbst. In jener Zeit meiner ersten Anbahnungsversuche mit Jazz waren es immer Balladen verschiedener Jahre eines Miles Davis, dies sind allerfeinste Momente voll Kontemplation.

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202/11: Video: Florian Alexandru-Zorn hat, was viele Drummer nicht haben: Ruhe im Spiel #brushes

Videotipp

Florian Alexandru-Zorn hat „Die Kunst des Besenspiels“ geschrieben und damit als „upcoming Besenpapst“ mal ein Kompendium vorgelegt, mit Hilfe dessen es möglich ist, sich eins zu wischen. Dass er selbst wischen kann, kann man z.B. hier sehen. Und was ist das Besondere am Begleiten von Balladen? Richtig: sie sind langsam, die Summe der zu spielenden Noten fällt magerer aus, als im gewöhnlichen Uptempo-Hickedihack. Wer wenige Noten innerhalb der Time spielen muss, kann sehr leicht daneben hauen, also einen Schlag versehentlich außerhalb der Time setzen und -zackbumm- ist die Time insgesamt hin. Die Ballade ist eine der Königsdisziplinen für Drummer. Mit Disziplin gespielt, wie gesagt.

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