606/20 #Tageslied – Diego Pinera in New York – Airegin Rollins – Fachfrage: Was sind eigentlich Drummerluder*Innen? #Antwortversuche

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Diego Pinera © Gregor Hohenberg (genehmigt)

Diego Pinera © Gregor Hohenberg (genehmigt)


Airegin Rollins/Pinera

Diego Pinera NYC Trio.feat Glenn Zaleski piano,Chris Tordini bass,Diego Pinera arrang./drums
Recorded at Michael Brorby Studios in Brooklyn in February 2019

Ich weiß nicht genau, ob es Rhythmen gibt, die Diego Pinera nicht spielen und total umkrempeln könnte? Sie zu seiner eigenen Sache machen? Entwickeln und aus einer leichten, hasenfüßigen Sache etwas ganz Besonderes machen, ist eine Spezialität von ihm. Oder aus Schwerem ganz einfach Klingendes machen. Es ist diese unerträgliche Leichtigkeit des Seins, nicht des Scheins: Die Händearbeit ist famos, die Füße verteilen sich mühelos über mehrere Pedale. Sorgfältig zuzuhören ist eine Art Independence Day for Body Percussion with onyl four limbs. Seit Jahren lebt der Urugayo in Berolino und mischt Latin-/Jazz- und Fusionszene auf, setzt neue Standards. To play the Unplayable, ist das überhaupt reizvoll? Leute? Es geht um den Jazz. Die Antwort lautet: Unbedingt.

Viele Männer schauen sich Thomas Lang gern an und sprechen von „The Man Machine“. Die Ultima ratio des Schlagzeugspiels. Alles okay, jeder was er mag. Ich finde Thomas klasse, würde ihn aber nicht als eins meiner Vorbilder bezeichnen. Ja schon, also in Sachen Unabhängigkeit und Technik, irre. Letztlich geht es um Musikalität und Stilistik, wenn wir nun schon Drummer wie Thomas Lang und Diego Pinera zu vergleichen wagen. Mir gefällt, was Diego macht, schon sehr viel besser. Nach Jahrzehnten lauter Musikgeräusche hat sich bei mir ein Grundgedanke verstärkt, Musik bestehe nicht nur aus Geräuschen, sondern nicht minder aus den zwischen den Tönen liegenden Pausen. Seien die Pausen angeordnet oder wild durcheinander gespielt, kurz oder lang, punktiert oder mit nicht enden wollender Fermate: Leute? Ich halt´s nicht mehr aus.

Ich will nicht klugscheißern. Seht Euch Diego Pinera genau an. Zu empfehlen sind im Grunde genommen alle seine Tonträger, die analog aber auch digital erhältlich sind. Großartiger Drummer, großartiger Diego – Es ist wie der Abschied vom Four on the Floor. Danke fürs Zeigen von Vielfalt und Flexibilität in der Auslegung der Grundfrage, ob wir nicht einmal endlich alle Viere gerade sein lassen möchten? Jetzt fällt mir die Antwort ganz einfach: Nein, ganz und gar nicht. Was wären die Vierer, gäbe es gar keine Oddmeter? Und das uns, den Sklaven der Claven.

Ich komme erfahrungsgemäß nie mit den Besenweisheiten eines Jazzdrummers zu Ende in einem Artikel: Wir müssen ein paar Fragen offen lassen. Diese Website bleibt so lange offen.

Weiterführend

* Inner Urge – Diego Pinera
* Diego Pinera Website
* Diego Pinera Webshop – für Shoppingbegeisterte und Drummerluder*Innen 😉
* Toot, Whistle, Plunk and Boom: That´s Where The Music Comes From

601/20 #Aufnahmen – „My Favorite Things“ (Richard Rogers) #Sessionstuff

Sgt. Peppers Lonely Jazz Club Band (Version 1)

Sgt. Peppers Lonely Jazz Club Band (Version 1)

Die allerbeste Version dieses Stücks, die ich kenne, stammt von Al Jarreau und ist auf seiner CD Tenderness veröffentlicht.

Allerdings ist das Lineup der Band auch hervorhebenswert. Ins Auge fällt einem Steve Gadd an den Drums und Marcus Miller am Bass.
Und das Ganze mit dem kongenialen Al Jarreau und seiner Gesangskollegin Kathleen Battles.
Die gemeinte Version ist zum anschließenden Anhören hier verlinkt.

Allerdings hat sich die Spontanbesetzung auf obiger Aufnahme redlich alle Mühe gegeben, dem Song etwas Eigenes, eine Art eigener Handschrift hinzuzufügen. Ich mag das Stück sehr.

Weiterführend

* Al Jarreau – Tenderness – My Favorite Things

602/20 #Aufnahmen – „All Of You“ (Cole Porter) – Recorded 23.01.2015 @Sessionstuff #Tageslied

Sgt. Peppers Lonely Jazz Club Band (Version 1)

Sgt. Peppers Lonely Jazz Club Band (Version 1)

Als ich mich im Januar 2015 mit einem Quartett von zusammengewürfelten Jazzmusikern traf, um ein paar Sängerinnen anzutesten, war auch die hier Gehörte bei den Kandidatinnen.

Und es war schön. Sie meisterte, was sie sang, mit Bravour, Leichtigkeit und einer wiedererkennbaren, schönen Jazzstimme. Sie war eine Meisterin des gekonnten Jazzgesangs. Dabei fiel es ihr auch nicht sonderlich schwer, ins Improvisieren zu gelangen, um wenig später den Solisten ihren Part zu überlassen. Um dann unvermittelt wieder richtig einzusetzen. Ihre Leichtigkeit und Schönheit beeindruckten mich tief.  Der ganze Moment, ich bezeichnete ihn erstmal als Sessionstuff und wollte damit im Grunde nur aussagen, dass dem Aufnehmen an jenem Tage noch keine umfassenden Bandproben vorausgegangen waren. Alles was wir aufnahmen, waren First Takes. Welche Stück spielen wir? Ah, okay, „All Of You ?“ – Gut, spielen wir das. Warte: Ich drücke noch „Record“. Gesagt, getan, gesungen, gespielt, probiert, geschwungen. That´s real Jazz.

Die Aufnahme von „All Of You“, einem Jazzstandard, ist leicht, fluffig, aber rau und weitgehend genau das, was im Proberaum zu hören war. Mir gefällt die Aufnahme auch nach Jahren noch. Weitere Aufnahmen habe ich seinerzeit veröffentlicht. Ich werde die Auffindbarkeit erleichtern. Es würde mich freuen, wenn es dem Besucher dieser Website gefällt. Das Lied des Tages auf xdrum.eu: „All Of You“ von Cole Porter, dargeboten in einem Übungsraum in der Lüneburger Straße in Moabeat. Und was für ein Beat: Wischen for the Worldpeace.

Weiterführend

* Just another Jazzstandard: Autumn Leaves (via blackbirds.tv)