417/15: Video: Adam Nussbaum (dr) + Richie Beirach (p) an der Popakademie Mannheim, Auszüge

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Adam Nussbaum – Toots Thielemans: All Blues

Adam Nussbaum – Toots Thielemans – Fred Hersch – Harvie S: All Blues – Stuttgart – Germany – March 1987

Adam Nussbaum (USA) ist ein energetischer Haudrauf, ein international gefragter Jazzdrummer mit einem vielschichtigen Airplay (on drums). 1987 hatte er mehr Haare, inzwischen hat er sie abgelegt, aber einen kahlen, kühlen Kopf bewahrt. Wie man Schlagzeug lernt? Nussbaum, Baujahr 1955, legt sich auf die Bühne, flätzt sich hin, wie ein Kleinkind und versucht aufzustehen. Wie lernt man aufzustehen? Ganz einfach: Durch immer weitere Versuche. Irgendwann steht das Kind bei den Eltern und lässt sich für das Erlernte hübsch bewundern. Er hat schon früher hübsch getrommelt.

So ungefähr muss man sich auch das Schlagzeug spielen lernen vorstellen, referiert Nussbaum, der nach Europa gekommen ist als Sonor-Endorser. Im Gepäck das neue (auf alt getrimmte) Sonor Vintage-Schlagzeug. Alle spielen jetzt so eins, die von Sonor als Botschafter des Rhythmischen vorgezeigt werden. Udo Dahmen, Präsident der Popakademie Baden-Württemberg, hat Nussbaum nach Mannheim an den Sitz der Uni geholt, um energetisches Schlagzeugspiel vorzuzeigen. Kurz gesagt: Das gelingt.

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414/15: HIStory: Die Charlestonmaschine, Olympic-Drums und die Dampfhosenpresse

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Dass ich eines Tages Schlagzeug zu spielen gedächte, entwickelte sich meiner Erinnerung nach in den Siebzigern per Zufall. Ein kleiner zwergwüchsiger Italiener namens Silvio A. aus meiner Schule, dessen Vater Jazzschlagzeuger in einer kleinen Big Band war, spielte dabei eine Rolle. Silvio bekam schon früh Unterricht vom Vater und rudimentierte auf Drums, dass es einem bereits schwindlig wurde. Ich selbst war von Charlies Wohlwollen abhängig und ihm süchtig verfallen. Charlie war Schlagzeuger der Berliner Band GOYA, spielte ein „red sparkle“ Sonor-Schlagzeug mit zwei Bassdrums. Es war schätzungsweise 1976/1977, die Zeit der großen Schlagzeuge. Charlie hatte eine große PA (power amplifier, Verstärkeranlage) im Raum, schwarz, fett, massiv. Er selbst übte die ganz vertrackten Sachen: Thick As A Brick (Jethro Tull), Genesis, was man als Chippie (Kofferwort aus Charlie und Hippie) eben so spielt. Kein Takt wie der andere.

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402/15: Video: Vergessene Welt „Die Trommelfabrik“ #Sonor – In Weißenfels an der Saale

Videotipp

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Im Jahre 1875 wurde Sonor in Weißenfels an der Saale durch den Drechsler Johannes Link (geb. 1847 in Forheim) als Hersteller von Natur-Trommelfellen und Militärtrommeln gegründet. Drei Jahre später baute das Unternehmen die Produktionsstätte aus und zog in die Leipziger Straße um. Auch die Produktion wurde weiter vergrößert. Um die Jahrhundertwende (1900) begann man, auch Pauken, Kreuztrommeln, Xylophone, Becken, Triangeln und kleinere Schlaginstrumente herzustellen. (aus Wikipedia)

Die nachträgliche Besichtigung der ursprünglichen Wirkungsstätte hat zeitgeschichtlichen Charakter und zeigt, dass der Wegzug nach Bad Berleburg nach Beendigung des zweiten Weltkriegs Sonor gut tat. Fortan, so heißt es, hätten Aufträge der Roten Armee Vorrang bekommen. Schon bald hatte das Politbüro der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland mangels Übung Schwierigkeiten, im Klatschtakt zu bleiben. Die „East German Clave“ genannte Figur wurde auf Parteitagen mit RL-Gleichklatsch (together forever) aufgeführt, angeführt vom Politbürovorsitzenden, einem Dachdeckergesellen aus dem Saarland.

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